Humankapital

wikipippi

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Was machen Sie eigentlich?
Ich wandele gerade auf den Pfaden meines Alter Egos @wikipippi und sag nich, wer ich wirklich bin.

Glauben Sie? Wenn ja, an was?
Och, das ist ja mal ne leichte Frage fĂŒr den Einstieg.

Was ist Ihr Beruf?
Ich habe in der klassischen Werbung als Art Director in Top-Agenturen angefangen, bin dann zur Stunde Null ins Internet-Metier gewechselt und arbeite fĂŒr eine der großen Multimedia-Agenturen in Deutschland. Ich manage unsere Kundenbeziehungen und bin fĂŒr New Business verantwortlich.

Was ist Ihre Berufung?
Ich glaube: “Etwas Angenehmes herstellen”. Das kann ein Moment sein oder ein Bild oder ein GesprĂ€ch oder eine Nacht oder ein Comic oder ein Ort oder ein Projekt oder ein Tweet. Jawohl. (Aber: Berufene scheitern auch manchmal.)

Wen wĂŒrden Sie gerne treffen?
Wladimir Klitschko. Ich hab immerhin gerade kĂŒrzlich in seinem Hotelbett gelegen, aber er war bereits abgereist (finde den Fehler!).

Wem wÀren Sie lieber nie begegnet?
Ich bin so neugierig auf die verschiedenen Abartigkeiten im Menschen, dass ich keine Begegnung wirklich missen möchte. Ich wollte schon immer mal ein Buch schreiben ĂŒber Menschen mit ZwĂ€ngen. Das wird ein Spaß!

Welche fiktive Figur wĂŒrden Sie gerne sein?
Hallo? NatĂŒrlich Pippi Langstrumpf, das stĂ€rkste MĂ€dchen der Welt!!!

FĂŒr wen oder was empfinden Sie kein Mitleid?
Ach, ich empfinde fĂŒr alles mögliche Mitleid, selbst beim allergrĂ¶ĂŸten Depp fĂ€llt mir in der Regel ein Umstand ein, warum er eigentlich ne ganz arme Wurst ist und demzufolge sehr bemitleidet werden muss.

Möchten Sie das absolute GedÀchtnis?
Das absolute GedĂ€chtnis stelle ich mir vor wie Russell Crowe in “A Beautiful Mind”. WĂ€re man im Besitz von enormem Wissen, mĂŒsste man damit fertig werden, dass sich stĂ€ndig unfassbare Erkenntnisse im eigenen Gehirn ereignen. Das wĂŒrde ich schlichtweg nicht verkraften. Gott sei Dank bin ich sehr weit davon entfernt: Ich musste eben “Russell Crowe” googeln. Und dass mir ĂŒberhaupt der Filmtitel eingefallen ist, wĂŒrde ich schon einem meiner helleren Momente zurechnen.

Wie alt möchten Sie werden?
Och, schon sehr alt. Ich will ja sehen, wo uns das mit dem ganzen Internetquatsch noch hinfĂŒhrt. Vielleicht werden wir alle irre? Das will ich auf keinen Fall verpassen.

Wenn Sie Macht hĂ€tten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, wĂŒrden Sie es befehlen, gegen den Widerspruch der Mehrheit?
Nein. Das wĂŒrde mir einfach viel zu viel Verbissenheit abverlangen.

HÀtten Sie lieber einer anderen Nation angehört und wenn ja welcher?
Seit ich auf Fidji war und die unermessliche KakerlakengrĂ¶ĂŸe dort in Augenschein nehmen durfte, möchte ich keine Fidjianerin mehr sein. In Neuseeland ist es herrlich, aber von Allem sehr weit weg, in Italien sind die MĂ€nner zu klein, in Schweden ist es zu dunkel. FrĂŒher fand ich es grĂ€ĂŸlich, deutsch zu sein: spießig, ordentlich, made in Germany. Inzwischen hab ich die halbe Welt und darin alles Mögliche an Unmöglichem gesehen. Das ist zwar oft schön und exotisch, aber ich weiß jetzt auch zu schĂ€tzen, dass man in Deutschland in relativer Sicherheit und Freiheit leben kann (was wiederum sehr spießig ist!).

WofĂŒr sind Sie dankbar?
Dass ich von zuhause zum Oberholz laufen kann, weils so nah ist. Und, krassomat, den dortigen New York Cheesecake, auf den ich gerne ein lebenslanges Abo hÀtte.

Welches Buch lesen Sie gerade?
“Rework”, ein Tipp von @sebaso, was ich super finde (bin auf Seite 80). Außerdem “Brief an mein Leben” von Miriam Meckel (ja die), weil ich auch ein Burnout hatte, aber ich finde es langweilig, vielleicht weil mir alles so bekannt vorkommt (Seite 178). Und “Der Turm” von Uwe Tellkamp (Seite 1 von 973), da kann ich jetzt noch nicht so gĂ€nzlich abschließend sagen, ob es mir gefĂ€llt.
Außerdem liegen noch etwa weitere 70 ungelesene BĂŒcher hier herum (kein Witz), und statt mal eins davon fertig zu lesen, verbringe ich meine Zeit lieber damit, neue zu kaufen.

Welches Buch hÀtten Sie lieber nie gelesen?
“Die Kinder vom Bahnhof Zoo”, wobei ich sagen muss, dass ich als Kind den Film gesehen und nicht das Buch gelesen habe. Seitdem kann ich nicht mehr auf öffentliche Toiletten gehen, ohne jedesmal Angst zu haben, hinter der TĂŒr einen toten Junkie zu finden. Das ist – allen Ernstes – sehr lĂ€stig.

Welche technische Innovation hat Ihr Leben am meisten geprÀgt?
NatĂŒrlich zuerst das Handy und dann das Internet. Bemerkenswert finde ich, dass beide Innovationen damit zu tun haben, dass wir offenbar an heilloser Kommunikationsnot leiden. Die grĂ¶ĂŸte Angst von uns allen ist vielleicht, eines Tages einfach irgendwo von den anderen vergessen zu werden.

Was ist Ihr Lieblingsmedium?
Papier. In meinem ersten Leben war ich Grafikdesigner und ich bin dem Papier auf immer verbunden. Ich hatte frĂŒher eine groteske Zeitschriftenkaufmanie (je ausgefallener, desto toller), und die verbliebene Ersatzhandlung davon ist der Kauf vieler BĂŒcher. SelbstverstĂ€ndlich hat es gar nichts damit zu tun, ob ich viel lese oder nicht. Ich will besitzen und anfassen können und das GefĂŒhl haben, all das wissen zu können, was drin steht. Vielleicht bin ich auch einfach ein Messie. Ich kann nix wegwerfen, was schön gestaltet ist (zuletzt z.B. an meiner Wand gelandet ist eine Teebeutelverpackung von Harney & Sons “White Vanilla Grapefruit”).

Welchen Film sehen Sie auch mit geschlossenen Augen?
Meinen Standardtraum, der mich bestimmt schon eine Trilliarde Mal heimgesucht hat: Ich irre in einem gigantischen Hotel herum mit unzÀhligen Stockwerken und riesigen SÀlen und Freitreppen. Das Hotel Àndert sich in jedem Traum, die Story ist aber immer gleich. Alles ist irgendwie mega, und ich bin darin ein kleiner Punkt. Vermutlich verbirgt sich dahinter eine geheime, wichtige Message aus dem Universum, die ich bisher noch nicht dechiffriert habe.

Sind Sie modebewusst?
Also meine Phantasie wĂ€re, morgens im Schlafanzug aus dem Haus gehen zu können. WĂ€r das herrlich: Nix ĂŒberlegen mĂŒssen, rumlĂŒmmeln können, sich wohlfĂŒhlen. Wenn ich einen schlechten Tag habe, sehe ich ein bisschen nach Schlafanzug aus. Wenn ich einen guten Tag habe, ziehe ich mich zumindest so an wie ein MĂ€dchen und nicht wie unser Hausmeister.

Was ist Ihre liebste Ausrede?
“Da kann ich nicht, an dem Abend sind schon drei andere Sachen”. Meistens ist das aber gar keine Ausrede.

Was wÀren Sie gerne noch gefragt worden?
“Wie groß bist Du eigentlich?”. (AAAARGH).

Twitter: @wikipippi


4 Kommentare »

  1. wieso denke ich dabei an die zig versionen von killing me softly? ein grossartiges interview!

    Kommentar von quarkkalibur — 3. September 2010 @ 10:10

  2. Ja, Quarkkalibur. Und jedes Wort ist wahr. Gerade gestern konnte ich mich mal wieder davon ĂŒberzeugen.
    Ich bin im ĂŒbrigen sehr stolz, dass ich ganz viele Sachen ĂŒber sie weiß, die sie nie ins Blog des Oberholz schriebe.
    Und die Sachen sind noch viel toller als das da oben!
    Da seid Ihr neidisch was?? :)

    Wikipippi ist KEIN Messie.

    Kommentar von @Spreequell — 7. Oktober 2010 @ 16:43

  3. Hach! Wie wunderbar!

    Kommentar von @saoirse — 17. MĂ€rz 2011 @ 12:54

  4. Tolles Interview von einer offensichtlich interessanten Frau.

    Kommentar von Michael Dreusicke — 21. Juni 2011 @ 08:21

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