
Sebastian Sooth
Was machen Sie eigentlich?
Fragen beantworten. Und Antworten suchen. Und Sie?
Glauben Sie? Wenn ja, an was?
An die schöpferische Kraft des Menschen. Und daran, dass das mit der Befreiung aus der selbstverschuldeten UnmĂŒndigkeit doch noch eines Tages was wird.
Was ist Ihr Beruf?
Ich bin freier Projektmanager und Berater. Ich berate Menschen und Organisationen, wie sie das Netz in ihren Strukturen und Prozessen nutzen können. Und organisiere Veranstaltungen, entwerfe Webanwendungen, unterstĂŒtze die Ideen von neuer Arbeit und Coworking und bin Hausmeister im Studio 70 (http://studio70.info).
Was ist Ihre Berufung?
Ich versuche, Menschen dabei zu unterstĂŒtzen, sich selbst zu verwirklichen und ihnen die Umsetzung eigener Ideen zu ermöglichen. Und so die Welt StĂŒck fĂŒr StĂŒck besser zu machen.
Wen wĂŒrden Sie gerne treffen?
Karl Popper, Joseph Beuys und Frederic Vester hĂ€tte ich gerne mal persönlich kennengelernt. Douglas Adams durfte ich zum GlĂŒck einmal erleben. Ansonsten hab ich durch meine Arbeit und das Netz so viele Kontakte zu spannenden Menschen, dass ich kein gröĂeres BedĂŒrfnis habe, jemanden bestimmten zu treffen. Aber mit Juli Zeh wĂŒrde ich gerne mal was zusammen machen.
Wem wÀren Sie lieber nie begegnet?
Niemandem. Ich habe viel von Leuten gelernt, die mir gezeigt haben, wie ich nicht werden möchte.
Welche fiktive Figur wĂŒrden Sie gerne sein?
MacGyver oder Jack O’Neill. Und Zora fand ich immer viel besser als Robin.
FĂŒr wen oder was empfinden Sie kein Mitleid?
Ich kann viel zu gut mitleiden.
Möchten Sie das absolute GedÀchtnis?
Mir wĂŒrde es schon reichen, könnte ich Gesichter gut erinnern. FĂŒr alles andere habe ich Google.
Wie alt möchten Sie werden?
Einerseits fĂ€nde ich es spannend, ĂŒber 100 zu werden. Andererseits hieĂe es aber auch schon bei einer Aussicht auf 70 Jahre, dass man noch mindestens vier mal die Aktionen der letzten 10 Jahre neu erfinden mĂŒsste. Aber vergeht im Alter die Zeit nicht sowieso immer schneller?
Wenn Sie Macht hĂ€tten zu befehlen, was Ihnen heute richtig scheint, wĂŒrden Sie es befehlen, gegen den Widerspruch der Mehrheit?
Nein. Es sei denn, das Abschaffen von Befehlen wÀre umsetzbar.
HÀtten Sie lieber einer anderen Nation angehört und wenn ja welcher?
Ich wĂŒnschte, das Prinzip der Nationalstaaten wĂŒrde sich endlich erledigen. Aber regional gesehen wĂ€re ich gerne New Yorker. Aber das kann ja noch was werden.
WofĂŒr sind Sie dankbar?
Bis heute nicht ernsthaft krank gewesen zu sein. Und dafĂŒr, dass der kalte Krieg noch zum Anfang meiner PubertĂ€t beendet wurde.
Welches Buch lesen Sie gerade?
Die Wikipedia. Jeden Tag mehrere Kapitel. Eben gerade zum Beispiel einen Artikel ĂŒber den Velaro http://de.wikipedia.org/wiki/Siemens_Velaro – den weiterentwickelten ICE, wie er in Spanien, China und RuĂland im Einsatz ist. Sowie alles, was mein MacBook so hergibt. Ansonsten gerade ein paar BĂŒcher ĂŒber die VerĂ€nderungen in der Arbeitswelt, z.B. Unternehmen 2020 von Tim Cole. Und Castells Netzwerkgesellschaftstriologie schiebe ich seit langem vor mir her, ebenso Seite 13ff von Backup.
Welches Buch hÀtten Sie lieber nie gelesen?
Jana Hensels Zonenkinder – die schlimmste Verallgemeinerung eigener Kindheitstraumata, die ich je las. Seitdem kann ich das Wort “wir” nicht mehr unbefangen in den Mund nehmen. Dan Brown, Digital Fortress – eher eine SchreibĂŒbung als ein Buch. Und ein drittes, das fĂ€llt mir jetzt aber nicht mehr ein, es hatte aber eine sehr groĂe Schrift und kam aus einem Bahnhofskiosk.
Welche technische Innovation hat Ihr Leben am meisten geprÀgt?
Ganz klar: Die Erfindung des Computers. Und die Vernetzung der Welt.
Was ist Ihr Lieblingsmedium?
Ich mag Texte, gedruckt oder digital. Ich les auch die Aufschrift der Zahnpastatube, wenn ich nichts anderes habe. Schlechte Texte mag ich gar nicht. Videos und VortrĂ€ge machen mich kirre, weil sie mich in eine lineare, starre Konsumentenhaltung zwĂ€ngen und noch dazu 100 mal soviel Zeit fĂŒr die Vermittlung einer Information brauchen.
Welchen Film sehen Sie auch mit geschlossenen Augen?
Die Verfolgungsjagd durch Paris in Ronin. Gute alte analoge Handarbeit.
Sind Sie modebewusst?
Schwarz ist das neue schwarz, und damit kommt man ganz gut durch den Tag. Ich bewundere aber auch den Herren, der sich einfach 100 mal diesselbe Kleidung kaufte und damit durch den Rest des Lebens ging.
Was ist Ihre liebste Ausrede?
Ich mag keine Ausreden.
Was wÀren Sie gerne noch gefragt worden?
Wollen wir mal wieder ein Bier zusammen trinken gehen?
